1/2005
Liebe Mitglieder und Freunde der Demeter-Assoziation Freiburg e.V.!
So, nun halten Sie wieder eine „Asso-Zeitung“ in der Hand. Die Frequenz des Erscheinens soll vierteljährlich sein – mal sehen ob das möglich ist. Sie soll Austausch, Begegnung und Gespräch anregen zwischen allen, die sich der Demeter-Assoziation in irgend einer Weise verbunden fühlen. So soll auch dieses erste Heft den Schwerpunkt Begegnung haben, ein wesentlicher Aspekt des Begriffes Assoziation. Gedanken zur Begegnung von Mensch zu Mensch, zu Tier und zur Pflanze im Zusammenhang mit Landwirtschaft und Ernährung sollen Raum bekommen. Auch wollen wir sie konkret fragen, wie sie unsere Märkte und den Verein erleben, und hoffen dabei auf rege Teilnahme. – In der Form zunächst, dass Sie die ausgefüllten Abschnitte in die, auf den Märkten bereitgestellten Briefkästen werfen oder an unsere Vereinsadresse senden. Vielleicht kann dadurch Austausch und Entwicklungsprozess in unserer Assoziation neu angeregt werden? !
Im Namen von Vorstand und Assoziationsrat grüßt Sie Ihre
Annette Tillmanns
ROSETA oder: Was gibt uns Gesundheit?
Die Frage nach gesunder Nahrung lässt viele von uns wöchentlich auf den Märkten zusammentreffen. Was an der Nahrung könnte unsere Gesundheit bedingen? Oder was hat „gesund“ mit uns Selbst zu tun? Hierzu ein etwas überraschender Denkanstoss (aus dem Buch von Arno Gruen: „Der Fremde in uns“): Der Autor untersucht an einer Stelle die Frage, was es für den Menschen bedeutet, Herr seiner Entschlüsse, seines Lebens zu sein und unter welchen Umständen er sich als solcher empfindet. Er wählt als erstes Beispiel eine Studie über den Verlauf der durchschnittlichen Lebenserwartung im England der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. Sie steigt erstaunlicherweise während des zweiten Weltkrieges deutlich an. In dieser Zeit entwickelten die Menschen, trotz oder wegen äußerer Not und Gefahr ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl und es entstand ein Netz gegenseitiger Hilfeleistung, bei dem Standesunterschiede unwesentlicher wurden und die Achtung voreinander wuchs. Im zweiten Beispiel führt er eine Studie an, die in den USA während der fünfziger und sechziger Jahre erstellt wurde. Die Stadt Roseta wurde von Einwanderern aus Süditalien gegründet. Wissenschaftler stellten fest, dass in dieser Stadt Herzinfarkte nur halb so häufig vorkamen, als in anderen amerikanischen Städten. Und das, obwohl man dort viel rauchte, kräftig dem Alkohol zusprach und sich fettreich ernährte. Sie entdeckten als wesentlichen Faktor, der das Leben in Roseta von dem anderer Städte unterschied, ein sehr reges soziales Miteinander, gegenseitige Einladungen, intensive Teilnahme am Leben anderer. Im Verlauf der sechziger Jahre jedoch zerfiel diese Gemeinschaft. Man baute sich größere Häuser, zog Zäune und Mauern, und ein befragter arbeitsloser Bürger sagte: „Die Menschen sind gleichgültig geworden“. Zugleich nahm die Häufigkeit der Herzinfarkte im nationalen Vergleich zu und glich sich dem allgemeinen Stand damit an.
Und wir?
Solche Betrachtungen können eine Menge Fragen anregen. Welche Aspekte hat zum Beispiel gesunde Nahrung dann eigentlich, wenn es doch so scheint, dass die Teilnahme an unserem menschlichen Umkreis uns auf eine höhere Weise gesund erhält? Die Menschen aus Roseta hatten die Teilnahme noch; sie haben sie in einem fremden Umfeld nicht länger aufrecht erhalten können. Der gesellschaftliche Prozess, in dem sich die Kreise um den Einzelnen enger und enger ziehen, hat auch sie ergriffen. In unserer Zeit sehen sich viele Menschen aus der Welt herausgeschält und isoliert, erleben Begegnung bedrängend und zehrend eher als erfreulich und belebend. Auch die Umwelt kann so ein fremdes, unbekanntes Feld komplexer, verwirrender und scheinbar sinnloser Geschehnisse werden, das neben Fremdheit auch Gefahr birgt. Wir blenden dann aus, was uns zu bedrängen und zu gefährden scheint, suchen Sicherheit durch Teilnahmslosigkeit.
Nun, und was nährt dann?
In anderen Schichten unseres Selbst sind wir sehr intensiv mit unserer Umwelt verbunden. So ragt z.B. durch die Ernährung die Welt sehr weit in uns hinein. Vielleicht ist es deshalb für Viele ein erster Versuch wieder einzublenden indem er fragt: Woher kommt denn das? Wie sind die Menschen mit dieser Pflanze umgegangen, wie mit dem Boden auf dem sie gewachsen ist? Ein weiterer Schritt könnte sein, sich vom Salat, von der Möhre, vom Käse oder vom Apfel einmal wirklich berühren zu lassen.Vergleiche sind da hilfreich; sie müssen gar nicht zwischen „schlecht“ und „gut“ ausgetragen werden. Können wir im Blindversuch unseren Lieblingssalat herausschmecken? Können wir den Unterschied zwischen jungem und gereiftem Käse in Worte fassen? Kommt da vielleicht sogar Freude auf? – Außerdem: Wie lange braucht so ein Salat um zu wachsen? Was gehört alles dazu, damit er wachsen kann? So tragen mich meine Fragen zur Pflanze, zum Tier und zu den Menschen in ganz neuer Weise zurück.
Dazu passt auch folgender Beitrag, in dem eine Art der Begegnung vorgestellt wird, die ein Pflanzenzüchter mit der Sorte, an der er arbeitet, pflegen kann.

METHODEN DER PFLANZENZÜCHTUNG (1)
Auslese durch die „offene Humansensorik“
Im Rahmen einer Untersuchung über die Eignung verschiedener Züchtungsmethoden für den ökologischen Landbau, die von vier verschiedenen Instituten in den Jahren 2002 und 2003 durchgeführt wurde, kam auch ein Verfahren zur Anwendung, das tiefer in die Qualität der untersuchten Gemüsesorten (hier Möhren) einzudringen versucht. Hier eine kurze Darstellung der Methode aus „ die Qualität der Nahrung“, Begleitschrift zur gleichnamigen Ausstellung, herausgegeben vom Verein „Kultursaat e.V.“:
Die offene Humansensorik
Dieses System zur Erfassung von Geschmack, Geruch und Aroma einer Probe wurde auf dem Dottenfelderhof gegenüber den herkömmlichen Verfahren erweitert. Es baut auf einer Form der Geschmacksselektion auf, die seit 1990 von der Züchtergruppe im Verein Kultursaat entwickelt und ausgebaut wurde. Der wesentliche Punkt beim Aufbau dieser Sensorik war, dass sie zielführend sein sollte, das heißt, zur Verbesserung der bearbeiteten Sorten dienen sollte. Dazu war ein fortlaufender Entwicklungsprozess durch Erfahrung notwendig. Die ebenfalls notwendige Entwicklung der Objektivität des Einzelurteils geschah in einem Untersuchungspaneel von zwei bis vier Personen, die miteinander im steten Austausch der Wahrnehmungserfahrungen standen. Die Mittelung von zehn Einzelwerten ergab dann eine hinreichende Beurteilung der untersuchten Sorte.
Die sensorischen Fähigkeiten der Teilnehmer wurden durch Seminare an der Fachhochschule für Ernährungswissenschaften in Fulda verbessert. Ein Neun-Punkte-Schema, das zur sensorischen Beurteilung von Kartoffeln entwickelt worden war, wurde übernommen, für die Möhrensensorik abgewandelt und dann laufend differenziert.
Die Darstellung der Ergebnisse erfolgt in Form eines Spinnendiagramms. Dabei werden die Werte kreisförmig angeordnet. Je höher der einzelne Wert, umso weiter außen liegt die Markierung. Miteinander verbunden ergeben diese Wertpunkte ein flächiges Muster, das für jede untersuchte Probe eine charakteristische Form annimmt. Beim Diagramm der Sorte “Hilmar“ wird sichtbar, wie die auf der linken Seite abgebildeten negativen Beurteilungen überwiegen, vor allem durch zwei Parameter: „muffig“ und „chemisch“.
Die Kuh und ihre Hörner
Seit Kühe in Laufställen gehalten werden, haben sich so viele Bauern für das Enthornen ihrer Tiere entschieden, dass eine Kuh mit Hörnern schon ein seltener Anblick geworden ist. In den Richtlinien des Demeter-Verbandes ist das Enthornen von Kühen untersagt. Einen ersten Eindruck davon, was das Tragen von Hörnern für eine Kuh bedeutet, kann der folgende Bericht von Martin Bienerth vermitteln, der viele Jahre als Senn auf Schweizer Alpen gearbeitet hat.
Schmerzhafte Erfahrungen eines Grünschnabels
Bis zu meinem zwanzigsten Lebensjahr kannte ich Kühe nur von der Ferne auf den Weiden
und wusste immerhin, dass von ihnen die Milch stammt, die jeden Morgen auf meinem Frühstückstisch stand. Als Grünschnabel entschied ich mich damals irgendwann für eine Alp mit achtzig Milchkühen in Graubünden. Bereits nach drei Wochen erlitt ich die ersten schmerzhaften Berührungen mit einem Kuhhorn. Mir wurde beim Einstallen eine Rippe eingedrückt, meine Arbeitsfähigkeit war vier Wochen lang eingeschränkt. Ich durfte jedoch nach Vorgabe des Arztes bis zur Schmerzgrenze weiter arbeiten.
Gleiches wiederholte sich in den zwei folgenden Jahren: einmal Rippe angebrochen, einmal Rippe ganz gebrochen. Kuhhörner trafen mich beim Anbinden ebenfalls im Gesicht. Kleine Wunden oder Blutungen in Mund- und Nasenraum waren die Folge, zum Glück blieben meine Augen heil. Ich stammte eben nicht aus der Landwirtschaft und Kühe mit ihren Hörnern waren mir fremd.
In den darauffolgenden Jahren lernte ich, mit Kühen umzugehen. Stunden lang beobachtete ich die Tiere auf der Weide oder im Stall; ihre Gewohnheiten und Umgangsformen wurden mir vertraut. Ich lernte, dass Kühe Individuen sind, dass sie aber auch einem Herdentrieb folgen, dass sie „schlau“, aber auch scheinbar „dumm“ sein können. Die unterschiedlichsten Charaktere begegneten mir, ich fand Zugang zum Wesen der Kuh.
Auf größeren Alpen ist es üblich, dass wir hirten den ganzen Tag mit den Tieren unterwegs sind, um sie zu bestimmten Futterplätzen zu führen, sie von steilen, nicht eingezäunten Flächen fernzuhalten, oder um sie wieder in die Stallungen zum Melken zurück zu treiben. Wir sind tagaus-tagein mit den Tieren zusammen, bei sengender Hitze, Wind, Sturm, Gewitter oder Schnee. Immer müssen wir die Herde und einige ihrer Einzeltiere richtig einschätzen, um sie durchs Gebirge lenken zu können. Falsche Entscheidungen führen nicht selten zu Absturz mit schweren Verletzungen oder zum Tod einzelner Tiere. Ich lernte, mit Kühen zu gehen, mit ihnen umzugehen, ich lernte sie zu berühren, ich lernte, mit ihnen auf engem Raum zu „tanzen“. Seit damals ist mir mit Kühen nie wieder etwas passiert, wenn man von ein paar Schwanzschlägen ins Gesicht beim Melken einmal absieht.
Rangkämpfe
Jeden Sommer hat die Herde auf der Alp eine andere Zusammensetzung. Sie ist nicht von Anfang an ein ruhiger Haufen. Es gibt eine Herdenstruktur und die muss jedes Jahr neu ausgefochten werden.
Elga, die Älteste von allen, war im letzten Jahr Herkuh, nicht unangefochten, doch sie hat sich immer wieder behauptet. Auch dieses Jahr wird sie es nicht leicht haben, ihre Stellung zu verteidigen. Einige Tiere sind neu auf der Alp, andere älter geworden und reicher an Erfahrung als noch im Vorjahr.
Die Rangkämpfe beginnen meist ein bis zwei Tage nach dem Alpaufzug, dann, wenn die größten Aufregungen vorüber sind und der Ortswechsel weitgehend akzeptiert ist. Eine neue Herdenstruktur muss aufgebaut werden. Interessant ist, dass nicht jede mit jeder kämpft oder dass ein undurchschaubares Durcheinander entsteht. Von Ausnahmen abgesehen geht es um die Leiterinnenfunktion der gesamten Herde. Der Vorentscheid, wer letztendlich am Sommerende zur Herkuh erklärt wird, kann jetzt schon fallen.
Schnell hatten fremde Kühe Elga als ein sehr ranghohes Tier erkannt und teilweise akzeptiert. Einige kamen jedoch in ihre Nähe, um etwas auszutesten, um die Rangordnung abzutasten.
Man kann die Spannung gut spüren und erkennen, die bei einer solchen Begegnung entsteht. Die meisten dieser Treffen gehen ohne äußeren Kampf vorbei. Elga hatte dann einen inneren Kampf gewonnen, ihre Ausstrahlung hatte genügt, um die Rangfolge deutlich zu machen.
„Irgendwas stimmt nicht. Irgendetwas liegt in der Luft. Ein paar Kühe haben aufgehört zu fressen und Elga steht da wie angewurzelt. Ihr gegenüber, vielleicht fünf Kuhlängen entfernt, eine kräftige Kuh vom Valentin aufgebaut. Sie geht langsam, den Kopf am Boden, auf Elga zu, die aufrecht dasteht. Julia scharrt abwechselnd mal mit dem linken, mal mit dem rechten Vorderfuß im Boden, Grasbatzen fliegen durch die Luft. Elga bewegt sich nicht. Julia geht ganz langsam an Elga vorbei. Sie bleibt neben ihr stehen, zwei Kuhlängen Abstand. Sie hebt den Kopf. Jetzt verzieht auch Elga ihren Kopf, er wird untypisch schief, Falten werden sichtbar an der Backe zwischen Auge und Ohr.
Auch Julia runzelt ihre Haut am Hals. Beide Tiere bewegen langsam ihre Köpfe, vollkommen in Spannung versetzt, wie in Zeitlupe, Elga noch immer angewurzelt, Julia scharrend, jedoch deutlich zurückhaltender.
Sie mustern sich so, vielleicht fünf bis zehn Minuten lang, was zu einer kleinen Ewigkeit werden kann. Dann kracht es.
Wie auf ein verabredetes Zeichen hin prallen beide Schädel aufeinander und Elga wird zurückgestoßen. Sie lässt ab, weicht aus, setzt sofort zu einem Gegenangriff an, die Köpfe schlagen erneut aufeinander.
Diesmal wird Julia abgedrängt. Elga wirft sich mit vollem Gewicht auf sie, zwingt sie sogar auf die Knie, schaufelt mit ihren Hörnern, die sie erst jetzt einsetzt, nach. Julia lässt ab und wird von Elga noch kurz verfolgt.
Für diesen Augenblick ist die Rangfolge klar. Die alte Herkuh ist Siegerin geblieben.“
(Tagebuchaufzeichnungen, Alp Rischuna)
Rangkämpfe sind für das soziale Geschehen innerhalb einer Herde von sehr großer Bedeutung. Behornte Kühe fechten ihre anders aus als enthornte Tiere. Die Kämpfe sind kürzer und heftiger, aber auch klarer, und die Ergebnisse länger anhaltend. Meistens kommt es jedoch nicht einmal zu einem Kampf. Durch bestimmte Stellungen von Kopf, Nase, Ohren und Hörnern werden Signale ausgesendet, die eine andere Kuh versteht. Rangordnungen müssen dadurch nicht jedes Mal wieder neu ausgemacht werden. Fehlen die Hörner, fehlt ein wichtiges Element für diese „Sprache“ untereinander. Das kann man sehr gut bei gemischten Herden beobachten.
Sich fremde Tiere haben eine größere Fressdistanz auf der Weide, wenn sie Hörner tragen. Hornlose Kühe fressen näher beieinander, auch wenn sie sich fremd sind. Kommt es zu Kämpfen, werden nicht nur die Schädel zum Drücken eingesetzt; hornlose Tiere haben gelernt zu „schaufeln“. Sie bearbeiten ihre Kolleginnen in der Regel von der Seite. Bauch und Hals sind bevorzugte Ziele. Die Auseinandersetzungen dauern länger, erscheinen nicht so heftig, ja fast spielerisch, die Tiere finden anschließend nicht so schnell ihren Platz in der Herde. Rangordnungskämpfe kommen dadurch häufiger vor.
Neues von den Höfen:
- Willi Jäger hatte im Januar und Februar „il Camino“ unter die Füße genommen. Er ist viele Hunderte Kilometer durch Nordspanien gewandert, den Jacobsweg entlang. Wohl eine besondere Erfahrung für einen Landwirt, nachdem er so viele Jahre sich von seinem Hof hat binden lassen.
- Christian Hiß erstellt über den Winter eine Studie über die Rechtsformen landwirtschaftlicher Betriebe. Das Ziel dieser Studie ist es, für den Demeterhof Hiß eine neue, geeignete rechtliche Gestalt zu finden.
TERMINE
18.3.`05/ 20.00 „Möhre ist nicht gleich Möhre“ – Beiträge zu Pflanzenzucht und Landwirtschaft; Wahrnehmungsübungen an Möhrenarten aus biologisch-dynamischer Züchtung
- mit Thomas Heinze und Christian Hiß / Künstl.Therapeutikum, Urachstr. 40b
8.4.`05/ 20.00 Mitgliederversammlung der Demeter-Assoziation Freiburg e.V./ Schwimmbadstr., Freie Waldorfschule
Pressestimmen zu biologisch-dynamischem Anbau und Demeter-Verband
Im Dezember 2005 hat Dr. Ingo Hagel in der Zeitschrift Info3 einen leidenschaftlichen Artikel mit dem Titel: „Demeter in der Krise“ veröffentlicht. Dr. Hagel ist seit über zwanzig Jahren Forscher am Institut für biologisch-dynamische Wirtschaftsweise in Darmstadt, und er hat in dieser Zeit vor allem zum Thema Nahrungsqualität geforscht. Hier einige Auszüge aus seinem Artikel:
„Der biologisch-dynamische Landbau (Markenzeichen Demeter) steckt in der Krise. Während Bundesministerin Renate Künast Anfang 2003 dem ökologischen Landbau in Deutschland insgesamt eine „stetige Aufwärtsentwicklung“ bescheinigte (seit Anfang 1995 verdreifachte sich die Zahl der Ökobetriebe), ist im Demeterbereich Stagnation und Rückgang zu beobachten. So konnte der Verband 2002 nur einen einzigen Betrieb dazugewinnen. 2003 verlor der Demeterbund sogar neun Betriebe und sackte gegenüber 2002 um 0,4% auf einen Anteil von nur noch 8,1% aller ökologisch wirtschaftenden Betriebe ab. Wenn es weiterhin nicht gelingt, neue Landwirte sowie Verbraucher von der biologisch dynamischen Wirtschaftsweise zu überzeugen lässt sich absehen, dass diese Landbaumethode in wenigen Jahren zur völligen Randerscheinung geworden sein wird.“
Weiter führt Ingo Hagel aus, wie der biologisch-dynamische Anbau bis in die siebziger Jahre hinein führend im Bereich des ökologischen Anbaus war und fragt dann nach den Gründen des Einbruchs. Zunächst geht er auf das Problem ein, das der ideelle Gehalt dieser Landbaumethode nicht genügend an die Zeitgenossen vermittelt wurde:
„Die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise ist ein Kind der Anthroposophie. Letztere ist kein Wahrnehmungs- sondern (unter Einschluss auch der Wahrnehmungswelt) eine Ideenwissenschaft. Statt auf den verständnislosen Verbraucher zu sehen, der einem die Produkte nicht mehr abnimmt, sollte man sich im Demeter-Verbund fragen, inwiefern man es versäumt hat, nach innen und in der Vermittlung nach außen ein tragfähiges Fundament für das Ideelle dieser spirituellen Landwirtschaftsmethode zu schaffen und man sich so selbst den Boden für die eigene Existenz entzogen hat.
Weiter schaut der Autor die Preisbildung an. „Wir leben in immer schwieriger werdenden Zeiten. Viele Menschen, die die biologisch-dynamische und ökologische Bewegung aktiv als Verbraucher unterstützen, gehören nicht gerade zu den „Besserverdienenden“ der Gesellschaft. Ist es daher stichhaltig, wenn der Leiter der landwirtschaftlichen Abteilung am Goetheanum, Nikolai Fuchs, in einem Artikel sagt: „Die Billigkäufer sind die willigen Heerscharen der Industrie, die diese unterstützen (und mit dem Nichtkauf eines Demeter-Produktes Demeter das Lobby-Geld nicht geben)... ?“ Selbst er sah doch deutlich im Demeterbereich das Problem überhöhter und „nicht austarierter Preise“, wie er es nannte.“
Mit weiteren Beispielen geht Ingo Hagel in seinem Info3 Artikel ausführlich auf die Preisfrage ein.
Zuletzt wird da auch die Nahrungsqualität, ein Thema von großer Brisanz, angeschaut. Ungeklärt sind hier der oft laxe Umgang mit den biologisch-dynamischen Kompost - und Spritzpräparaten, zentrales Mittel dieser Wirtschaftsweise, sowie die Verwendung von Hybridsaatgut.
Aber das ist schon wieder eine ganze Assoziationszeitung für sich.....
Demeter-Assoziation Freiburg e.V. im März 2005
Umfrage an Mitglieder und Freunde....§
Um für die Gestaltung von Märkten und Vereinsleben eine Basis zu haben, möchten wir Sie um Ihre Beteiligung bitten... Wenn Sie sich einen Stift nehmen wollen—jetzt ist die Möglichkeit zu sagen, zu schreiben besser, was Sie schon immer mal anmerken, klarstellen, äußern wollten. Bei konkretem Lob, konkreter Kritik geben Sie bitte Tag und Ort des jeweiligen Marktes mit an. Die von Ihnen ergänzten Bögen können Sie beim Einkauf in die aufgestellten Briefkästen werfen, oder an die folgende Adresse (bitte ausreichend frankiert) senden:
Demeter- Assoziation Freiburg e.V./ Fichtenstr. 39 / 79115 Freiburg
Unsere Fragen:
- Was schätzen Sie als Kunde und Assoziationsmitglied an den Märkten, was gefällt Ihnen besonders?
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Was stört Sie bei den Märkten, welche Kritik möchten sie äußern?
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Fehlt Ihnen etwas besonders im Sortiment?
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Können Sie kurz skizzieren, wie Sie die Märkte in der Vergangenheit erlebt haben, und wie Sie den Besuch heute erleben?
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Wie könnten sich die Demeter-Assoziation und Ihre Märkte nach Ihrer Ansicht in Zukunft entwickeln?
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Haben Sie Interesse, an einer solchen Entwicklung mitzuwirken? Wenn ja, in welcher Weise?
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Was bedeutet für Sie im Zusammenhang mit unserem Verein der Begriff „Assoziation“, und wie könneer vertieft angewendet werden?
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Hoffentlich haben Sie jetzt rote Ohren vor Begeisterung! DANKE!
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