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Lab und Käse

 

 

 

 

 

 

THEMA: LAB und KÄSE

               Christin Ahrens-Till

 

 

Angesichts dessen, dass wir heute in den Läden viele Lebensmittel mit gentechnisch erzeugten Zutaten angeboten bekommen, ohne dass dafür eine Kennzeichnungspflicht besteht, ist es nicht verwunderlich, dass unsere Kunden nachfragen, welches Lab wir denn bei der Herstellung unseres Käses verwenden.

Tatsächlich ist nämlich ein beträchtlicher Teil der in Deutschland angebotenen Käsearten mit gentechnisch erzeugtem Lab hergestellt. Die Genehmigung zur Anwendung kam 1997, doch ist die Herstellung dieses Labs hierzulande noch immer verboten. – In der Schweiz wurde das

Gen-Lab bereits 1988 zugelassen, seit 1991 gibt es jedoch eine Verzichterklärung der Mitglieder der Schweizer Käseunion. – Besonders hoch, nämlich 70%, ist der Marktanteil des Gen-Labs in den USA.

 

Zur Geschichte der Milchverarbeitung

Früher war es nicht üblich, dass Erwachsene Milch tranken. Sie war für Schwache und heranwachsende bestimmt. Auch gab es keine Konservierungsmethoden.  -  Durch aufbewahren von Milch in Mägen und Därmen hat man das Dicklegen der Milch entdeckt. Vor etwa 5000 – 10 000 Jahren hat man begonnen, die Wirkung des Labs im Tiermagen zur Käsebereitung zu nutzen. Die Labkäserei war mehr südlich der Alpen verbreitet, während man nördlich der Alpen eher Sauermilchkäse herstellte.

Bis ins 19. Jahrhundert war es üblich, den Labmagen selbst zum Dicklegen in die Milch zu tun. Der Magen wurde, gereinigt, aufgeblasen, getrocknet und luftig aufbewahrt, bis zu einem Jahr verwendet. Einen Tag vor dem Käsen wurde er mit warmem Wasser oder warmer Molke angesetzt. Jeder Käser arbeitete nach eigener Erfahrung. Die überlieferten Mengenangaben variieren sehr stark. – In der Gegend von Bregenz gibt es übrigens heute noch ein paar mit Kälbermägen arbeitende Sennereien.

Bis zum 17. Jahrhundert hatte es kein Lebensmittelhandwerk gegeben. Auch der Käse wurde in jedem Haushalt selbst gemacht, wobei jede Gegend ihre eigene Käsesorte hatte. Schon aus dem 11. und 12. Jahrhundert gibt es Beschreibungen der Sorten Roquefort, Chester und Emmentaler.

Um 1870 begann die Industrialisierung auch bei der Milchverarbeitung. Die Zentrifuge wurde erfunden und der Begriff “Enzym“ geprägt als Ursache für Gärung. Die Entdeckung der Mikroorganismen hatte zur Folge, dass Kulturen von Milchsäurebakterien gezüchtet wurden und es dadurch weniger Fehlproduktionen gab. Beim Arbeiten mit Kälbermägen gab es beim Käsen nämlich eine Reihe von Risiken und Unsicherheiten.

Durch die Belieferung weit entfernter Märkte, durch die immer weiter zunehmenden Transportwege für Nahrungsmittel wurde es notwendig, Garantien für Hygiene und gesundheitliche Unbedenklichkeit eines Produkts zu übernehmen, wie auch, es zu standardisieren, dass heißt, es den Verbraucher an jedem Ort wiedererkennbar zu machen.

1874 gelang dem Dänen Hansen die Herstellung eines reinen und haltbaren Labextrakts aus Kälbermägen. 100 Jahre lang wurde daraufhin mit standardisiertem Labpulver oder mit Labflüssigkeit gearbeitet. Heute, ungefähr seit 1970, gibt es außerdem mikrobiell hergestelltes Lab und seit 1990 gentechnisch hergestelltes Lab. Pflanzliches Lab – etwa aus Labkraut, Feigensaft, Rizinussamen, Distelblüten, Kaktusfrüchten u. a. – hat nie eine Bedeutung gehabt und ist nach der Käseverordnung von 1986 auch nicht mehr zugelassen. (In Westafrika gibt es noch einen ausschließlich aus pflanzlichem Lab – Lab aus dem Sodomapfel – hergestellten Frischkäse.) Das mikrobiell aus verschiedenen Schimmelpilzen synthetisierte Lab hat inzwischen einen Marktanteil von 40 bis 50%.

Seit 1990 gibt es nun einige Sorten Gentechnologisch hergestellter Labaustauschstoffe, die sehr preisgünstig angeboten werden und die beim Käsen eine noch gezieltere Steuerung in des Prozessführung und Reifung ermöglichen sollen. Die Herstellung wird mit der angeblichen Verknappung von Kälbermagenlab und mit der nur begrenzten Einsetzbarkeit von mikrobiell hergestelltem Lab begründet, das früher allerdings als geeigneter Ersatz für Kälbermagenlab angepriesen wurde, sodass mir diese Begründung nicht ganz glaubwürdig erscheint.

Vergleichende Untersuchungen haben zwischen dem Hauptenzym, dem Chymosin tierischen Ursprungs und dem Gen-Chymosin keinen Unterschied festgestellt und auch bei den Käsen keine Unterschiede in Ausbeute, Teig, Geruch, Geschmack und Reifung. Gen-Chymosin wurde als unbedenklich erklärt. – Einem anderen Bericht zufolge sind jedoch nur einige der Aminosäuren analysiert und für gleich befunden worden. Auch sei der prozentuale Anteil der verschiedenen Aminosäuren im Gen-Lab und Kälbermagenlab verschieden. – Bis heute (Information von 1997) gibt es jedenfalls keine Methode zum Nachweis von Gen-Lab im fertigen Käse.

In unserer Hofkäserei benutzen wir für die Herstellung unserer Hartkäse Kälbermagenlab als standardisiertes Pulver und für unseren Frischkäse das Flüssiglab. Bis 1998 bezogen wir dieses Lab vom ältesten Labhersteller Hansen, einer inzwischen riesigen Firma, die alle Labsorten herstellt, unter anderem seit 1990 auch Gen-Lab. –  Die Monopolisierung auf diesem Markt könnte einmal eine Gefahr für die Herstellung von Kälbermagenlab werden.

Übrigens gibt es bis heute kein Lab aus Kälbermägen von biologischen Betrieben! Wegen des geringen Bedarfs sei die Herstellung unrentabel.

Angeregt durch Gespräche mit einem Kunden und dem Assoziationsrat kaufen wir Lab und Kulturen seit zwei Jahren bei einem kleineren Hersteller, der nicht gleichzeitig Gen-Lab produziert.

(Quelle: „Über Lab“, Projektarbeit Bailer, Gesamthochschule Kassel, Universität 97/98)

 

Der Mayer’sche Hof im Äule

Unser Hof liegt auf 1050 m in einer kleinen Aue – Äule – etwas oberhalb vom Schluchsee, 15 Gehminuten vom See entfernt.

Wir bewirtschaften 55 ha Grünland, dazu zwei kleine Äcker mit Futtergetreide und Kartoffeln. Die Weiden sind größtenteils hängig. Die vielen verschiedenen Gräser und Kräuter auf dem kargen Urgesteinsverwitterungsboden bilden die Grundlage für das Aroma der Milch, die wir zu Bergkäse verarbeiten.

 

 

In diesem Gebiet des Südschwarzwaldes ist seit Jahrhunderten die kleinste Rinderrasse, die Hinterwälder, beheimatet. Sie passen hervorragend in unsere rauen und kargen Verhältnisse mit den langen Wintern und den steilen Hanglagen. Die Hinterwälder sind lebhafte feingliedrige Tiere mit ausdruckvollem Kopf. Sie sind wenig anfällig für Krankheiten, sind fruchtbar und haben eine hohe Lebensleistung.

Wie halten zur Zeit 20 Milchkühe mit Nachzucht und einem Zuchtstier. Unsere Kühe werden nur mit Grundfutter gefüttert, d.h. im Sommer Weidegang, im Winter Heu, und eine kleine Schrotgabe.

Die gesamte Milch wird zu Käse verarbeitet, ebenso die Milch unserer 10 Ziegen, die den ganzen Weidberg beweiden. Die anfallende Molke bekommen unsere 12 Schweine.

 

Die Art, unseren Käse herzustellen, haben wir aus unseren Alpenjahren im Berner Oberland mitgebracht. Charakteristisch ist hierbei das Arbeiten mit der Sirtenkultur (Molkekultur), einer weitgehend hofeigenen Kultur, die den „hoftypischen“ Geschmack der Milch im Käse zur Geltung kommen lässt.

Die Käse werden in Handarbeit hergestellt, nur für das Rühren wird ein Rührwerk eingesetzt. Die Kessimilch wird vorgewärmt und mit Naturkälbermagenlab in etwa ½ Stunde zum Gerinnen gebracht. Durch Rühren mit der Käseharfe wird der bei Hartkäse sehr kleine Bruch gemacht.

Innerhalb der 1 ½ Stunden Rührzeit wird auf 48 – 50°C erwärmt und nach dem Absetzen mit Hilfe von Bögli und Tuch die Bruchmasse ausgezogen ( Abbildung 2)und zu 3 – 4 kg schweren Laiben gepresst. Nach einem Tag unter der Presse und einem Tag im Salzbad werden die Laibe im Reifekeller bei hoher Luftfeuchtigkeit gelagert und jeden 2. Tag mit Salzwasser gepflegt und gewendet.

Je nach Reifezeit bringen wir den Bergkäse als mild, mittel oder alt – also nach  ca. 3 oder 8 – 12 Monaten – zum Verkauf.

Während der Bergkäse aus Rohmilch hergestellt ist, wird die Milch für die Frischkäse zuerst pasteurisiert, dann nach 6 – 8 Stunden langsamer Säuerung durch die zugesetzte Kultur und sehr wenig Lab grob gebrochen und etwas später in Förmchen abgefüllt bis zum Verkauf stehen gelassen.

 

Christin Ahrens-Till

 

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