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Huhn und Ei

 

 

 

 

 

 

Thema: HUHN und EI  

Willi Jaeger

Ein lauer Sommerabend geht zu Ende – nach getaner Arbeit ruft das Bett. Nur noch schnell die Hühnerställe zu machen und ab geht's in die weichen Federn. Doch weit gefehlt  mindestens 50 unserer 240 Legehennen samt Hähnen laufen noch draußen im Freilaufgelände  herum. Keine Chance diese auf über 3000 qm dazu zu bewegen sofort, in den Stall zu gehen geschweige denn sie zu fangen. Also zurück ins Haus, vielleicht in einer halben Stunde ... .

Die Tiere haben eben ihren eigenen Tagesrhythmus, gesteuert durch das Sonnenlicht.

Morgens dagegen gibt es nie Probleme, mit beginnendem Tag – im Sommer also um 5 Uhr morgens – krähen die Hähne: Weckdienst auf dem Hühnerhof und das 7 Tage die Woche. Dabei sind wir im Grunde ein Obsthof  und Bäume wachsen Sonntags auch mal ohne unser Zutun.

Doch Freilaufhaltung ist unser erklärtes Ziel, weshalb wir den Hühnerstall 1998 für unsere  Isarbraun Hennen erheblich vergrößerten und im Voraus an die damals noch diskutierten Vorschriften zur Tierhaltung in der EU–Bio–Verordnung  anpassen  konnten. Diese Verordnung ist mittlerweile in Kraft getreten (siehe Kasten).

                                     

 

EU-Bio Verordnung zur Haltung von Legehennen

Obsthof Jaeger

Maximale Belegung pro Stall:

3000 Hennen

120 Hennen

Minimale Fläche pro Tier im Stall:

6 Hennen pro m²

4 Hennen pro m²

Länge der Sitzstangen pro Tier:

18 cm

24 cm

Überdachter Auslauf pro m²:

12 Hennen

10 Hennen

Grünauslauf pro Tier:

4 m²

15 m²

 

Stall, überdachte Schlechtwetterausläufe sowie Freigelände sind die Elemente dieser traditionellen Haltung, die bezogen auf die Eierproduktion einen Marktanteil von unter 5% einnimmt. Zudem legen  Hennen gleicher Rasse in der Freilaufhaltung aufgrund der höheren körperlichen Aktivität weniger Eier im Jahr bei gleichzeitig höherem Futterbedarf.  Faktoren, die den Preis für Eier dieser Herkunft deutlich erhöhen.

Dafür können die Tiere arttypische Verhaltensweisen ausleben. Wo sonst kann man derart ausgiebiges Recken und Strecken beim Sonnenbad beobachten, dass man geradewegs an Hühnerballett denken muss?! Oder die sportlichen Leistungen beim Fliegenfangen und einem ausgiebigen Staubbad! Auch das Sozialgefüge zeigt sich deutlich in der Bildung der Rangfolge innerhalb der Herde durch die Hackordnung, dem Spiel zwischen Hahn und Henne oder dem alltäglichen Sit In im Gruppennest, wo 4 bis 5 Hennen gleichzeitig Platz finden um ihre Eier zu legen.  Doch auch bei dieser Haltungsform ist Stress und Langeweile bei den Tieren nicht auszuschließen. Federpicken, ein gegenseitiges Rupfen, kann die Folge sein – ein Problem der leichten Rassen. Ein Schnabelkürzen als Vorsorge, wie im konventionellen praktiziert, ist in der biologischen Haltung verboten – der Schnabel ist ein Sinnesorgan des Tieres. Die leichten Hühnerrassen reagieren schnell nervös, doch sind sie  ökonomische Wunder, da sie auch in der Freilandhaltung deutlich über 200 Eier im Jahr legen können. Schwere und damit ruhigere Rassen sind für den Biobereich geeigneter, doch offenbart sich hier ein riesiges Problemfeld: die Hühnerzucht.  Früh von der Industrie im Zuge der aufkommenden Käfighaltung vereinnahmt, bestimmen heute die kommerzielle Zucht 6 – 8 Weltanbieter, in Deutschland die Firma Lohmann. Im Angebot sind ausschließlich  Hybridrassen, Spitzensportler, deren Eigenvermehrung auf dem Hof  aufgrund der genetischen Aufspaltung nahezu ausgeschlossen ist. Zudem sind Eigenschaften wie das Glucken und Brüten teilweise verloren gegangen. Hobbyzüchter erhalten Rassen und damit die genetische Vielfalt, doch stehen hier oft äußerliche Merkmale im Hinblick auf die nächste Geflügelschau im Vordergrund. Kriterien wie Legeleistung spielen dort eine untergeordnete Rolle. Zwischen diesen Extremen zeigt sich eine unausgefüllte Lücke, die auch ein wirtschaftender Biohof nicht schließen kann. Trotzdem Ideen sind da und manchem sind Rassen wie Vorwerkhühner, Rohdeländer oder Italiener  ein Begriff. Doch deren Legeleistung beträgt derzeit maximal die Hälfte im Vergleich zu Hybridhühnern. Ein Ei müsste dann also über eine DM  kosten – eine Vision?

Das Ei 

Die Eierfarbe ist rasseabhängig, doch auch bei Hybridhühnern gibt es weiße und braune – Eier sowie Hennen. Eier sind ab Legedatum 28 Tage haltbar, d.h. zum Rohverzehr geeignet, danach müssen sie durcherhitzt werden. Beim Legen hat das Ei eine Temperatur von fast  40 `C. Zieht sich die innere Flüssigkeit beim Abkühlen zusammen, entsteht die Luftkammer im Ei. Fremdgerüche werden von Eiern schnell aufgenommen, die ersten drei Tage dominiert noch der Stallgeruch, aber z.B. Zigarettenrauch kann unangenehmer werden. Antibakteriell geschützt ist das Ei durch eine Kutikula, eine Art Wachsschicht. Deshalb sollen Eier auch erst kurz vor Gebrauch gewaschen werden, da der natürliche Schutz dadurch verloren geht. Die von uns angebotenen Eier weisen daher hin und wieder Spuren ihrer Herkunft auf.  Hat es draußen geregnet, putzt sich nicht jede Henne ihre Füße ab, bevor sie ins Nest geht ... .

Eierwaschmaschinen sind zwar im Fachhandel erhältlich doch aus oben genannten Gründen nicht akzeptabel, das Ei müsste danach eine chemische Schutzschicht bekommen.

Ein verschachteltes Problem

Gebrauchte Eierschachteln dürfen per Gesetz nicht vom Erzeuger zum Wiedergebrauch zurückgenommen werden. Die Verwendung sauberer gebrauchter Schachteln ist jedoch hygienisch unbedenklich, für große Betriebe vom Sortieraufwand allerdings nicht zu schaffen. Jeder Kunde darf natürlich seine Eier verpacken wie er will. Eine neue Dimension erreicht diese Frage allerdings im Hinblick auf die aktuelle Seuchenproblematik in der Landwirtschaft. Diese hat derzeit zwar mit Geflügel nichts zu tun, doch eine Grundgefahr von Infektionsverschleppung besteht durch die Einfuhr fremder Schachteln auf den Hof durchaus.

Der Markt

Zwei Spitzenzeiten kennt der Eiermarkt: das backende Weihnachten sowie das eiersuchende Osterfest. Danach wird's ruhiger mit einem absoluten Tiefpunkt in den Ferien, je länger je schlimmer. Die Hennen legen aber ständig Eier mit im Alter abnehmender Intensität. Wie also diese Zeitläufe zusammenbringen?  Wir arbeiten mit zwei gleich großen Herden, die zeitversetzt in den mageren Zeiten nach Weihnachten und in den Sommerferien geschlachtet und den Suppentöpfen zugeführt werden. Fleischqualität und Legeleistung bedingen auch in der biologischen artgerechten Haltung  ein Hennenalter von  maximal  eineinhalb Jahren. Dann ziehen wieder junge Hennen, zugekauft vom Bio – Aufzuchtbetrieb, in den generalgereinigten Stall ein. Nach wenigen Wochen kommen diese auf eine stattliche Legeleistung, die den Bedarf deckt. Dazwischen sind magere Zeiten, die so manchen Kunden Verdruss bereitet. Doch mancher erinnert sich, dass es früher bei anderen Futter und Stallbedingungen im Winter fast keine Eier gab. Im Gegensatz dazu funktionieren die Eierlegmaschinen der Käfighaltung ständig beeinflusst von Immunbiologie und Pharmakologie aber abgekoppelt vom Jahresrhythmus. Wir gehen mit unserer kleinen Hühnerhaltung einen anderen Weg und denken eher über eigene Zucht als über größere Hühnerbestände nach.

Unser Hof

In der Vorbergzone des Schwarzwaldes liegt unser Obsthof  15 km südlich von Freiburg in Ehrenstetten – Gemeinde Ehrenkirchen, Nähe Staufen. Bei 10 ha Gesamtgröße liegt der Kern der Anbaufläche direkt beim Hof in einem kleinen Seitental dreiseitig von Wald umgeben. Neben Geflügel und Obstanbau betreiben wir Landschaftspflege in nahegelegen Naturschutzgebieten, wo Hang- oder Nasswiesen sowie Hecken zu pflegen sind. Als Familie mit zwei Kindern  sind wir im Sommerhalbjahr über die Hilfe zweier ständiger Mitarbeiter glücklich.

Zuletzt noch die Antwort auf die alles umfassende Frage: wer war zuerst da – Ei oder Henne?

 

Die Gelehrten und die Pfaffen

Stritten sich mit viel Geschrei

Was hat Gott zuerst erschaffen,

wohl die Henne, wohl das Ei?

Wäre das so schwer zu lösen?

Erstlich ward ein Ei erdacht,

doch weil noch kein Huhn gewesen,

darum hat's der Has gebracht.

Eduard Mörike (1804 – 1875)

 

 

 

 

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